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Ein Licht in die Welt hinaus schwimmen lassen

Stapellauf bei Schneegestöber: Die Kinder entlassen ihre Schiffchen ins Wasser. | © 2019 Claudia Stern

«Lueg, mis Scheffli esch ganz vore!» Die jährliche Kerzensegnung zu Mariä Lichtmess wird in Greppen mit einer Tradition ergänzt: Gut zwei Dutzend Holzschiffchen schwammen am 3. Februar mit Lichtern ausgerüstet in die weite Dunkelheit des Vierwaldstättersees hinaus.

Kerzenschein erhellt die zahlreichen Gesichter in den Kirchenbänken. Viele Familien haben ihren Sonntagabend von der warmen Stube in die Kirche von Greppen verschoben. Gelegentliches Poltern und Kindergeschrei beleben das Gotteshaus. Trotzdem wird es ganz still, als sich der Kinderchor der Seepfarreien Greppen, Weggis und Vitznau auf den Stufen zum Altar aufstellt. Corina Zimmermann ist eine der Sängerinnen: Die Neunjährige hat schon mindestens vier Lichterschiff-Feiern erlebt. Beim Basteln der Holzboote lässt sie ihrer Kreativität freien Lauf – dieses Jahr hat sie ihr Dampfschiff mit Führerkabine und Piratenflagge ausgestattet. Besonders originell ist die rote Fahnengirlande: «Ich habe sie aus den alten Strumpfhosen meines kleinen Bruders ausgeschnitten», erklärt die Vitznauerin mit verschmitztem Lächeln.

Kreative Bastelarbeiten
Wie Corina haben rund 30 andere Kinder die Zeit vor dem 3. Februar mit Werkeln und Basteln verbracht. Vorgesägte Holzschiffchen – sogenannte Rohlinge – gabs bei der Pfarrei zu beziehen. Die weitere Ausstattung mit Naturmaterialien wie Holz, Baumwolle und Korkzapfen blieb den jungen Künstlerinnen und Künstlern selbst überlassen. Entsprechend säumen Konstruktionen mit blauen Streifen, Schweizerfahnen und Seitenrudern den freien Platz vor dem Altar, der zu diesem Anlass etwas nach hinten gerückt wurde. Pastoralassistent Flavio Moresino ist überwältigt: «Schön, dass ihr alle trotz Schneegestöber zu uns in die Kirche gefunden habt.»

Hoffnung in der Dunkelheit
Es ist Flavio Moresinos erste Lichterschiff-Feier. Im Gottesdienst segnet er die Kerzen fürs nächste Jahr und setzt den entsprechenden Schwerpunkt auf das Thema Licht: «Jesus selbst bezeichnete sich als das Licht der Welt. Alle Menschen, die ihm begegneten, konnten etwas von dieser Energie tanken und sie in die Welt hinaustragen. So auch Prophetin Hanna und Prophet Simeon an Mariä Lichtmess.» (siehe Kasten)

Im Anschluss an den Gottesdienst erhalten die Worte des Pastoralassistenten eine bildhafte Bedeutung: Jung und Alt stapfen mit flackernden Kerzen durch tiefen Schnee hinunter ans Seeufer. Dort entlassen Kinder, Eltern und Grosseltern die leuchtenden Schiffchen ins dunkle Nass – und mit ihnen ihre guten Wünsche und Hoffnungen.

Anna Graf

40 Tage nach Weihnachten
Mariä Lichtmess oder «Darstellung des Herrn» geht zurück auf die Reise Josefs und Marias mit Jesus zum Tempel in Jerusalem. Traditionellerweise wurde der Erstgeborene dort Gott zur sogenannten «Erstgeburtsweihe» präsentiert. Der 2. Februar liegt 40 Tage nach Weihnachten und markiert somit das Datum von Jesus «Erstgeburtsweihe». Laut Überlieferung traf die Dreiergruppe im Tempel auf Prophetin Hanna und Prophet Simeon, wobei letzterer den Säugling als Herrlichkeit und Heil der Welt erkannte. Die heute verbreiteten Lichterprozessionen und Kerzensegnungen beruhen auf der Erzählung, Mönche eines nahegelegenen Klosters hätten Jesus auf dem Weg zum Tempel mit Kerzenlicht begleitet.

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