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Rorate: das Licht feiern, Licht sein

Faszination Kerzenlicht: die Pfarrkirche Ruswil an der Roratefeier vom 5. Dezember 2018. | © 2018 Dominik Thali

Kerzenschein erfüllt die Kirche Ruswil. Licht, das wärmt und leuchtet; sechs Uhr früh, es ist die erste Rorate-Feier in diesem Advent. Die Bänke sind leidlich gefüllt, bei der zweiten und dritten Feier dann, nächste und übernächste Woche, werden mehr und mehr Menschen in dem mächtigen Raum zusammenrücken. Je näher Weihnachten rückt, desto zahlreicher streben sie nach dem Licht, zeigt die Erfahrung. Die 1300 Kerzen hatte Sakristan Thomas Bucher schon am Vorabend aufgestellt. Die Lichter stehen auf Absätzen und Treppenstufen, auf den Altären und der Empore; sie bilden sternengleiche Muster Eine immense Arbeit. Eine halbe Stunde dauert das Anzünden im Team.

«Es kostet zwar Überwindung, so früh aufzustehen«, begrüsst Pastoralassistent Othmar Odermatt die Frauen, Männer und Kinder. «Aber gerade in dieser dunklen Zeit ist es wichtig, das Licht zu feiern. Menschen können selbst einander Licht sein. Darin wird Gott sichtbar.» Hörbar wird er in den leicht-lüpfigen Melodien der Geschwister Manuel, Eveline, Sonja und Florian Fuchs, die mit Akkordeon, Posaune, Klarinette und Kornett Seelenwärme in diesen Morgen zaubern. Ihre Mutter Beatrice Fuchs leitet sie an.

«Tauet, ihr Himmel. von oben»

Rorate-Feiern sind besondere Gottesdienste im Advent, die sehr früh und meist nur bei Kerzenlicht gefeiert werden.  Es gibt sie auch in vielen Luzerner Pfarreien. Rorate ist lateinisch und heisst «tauet». Es ist das erste Wort eines Verses aus dem Buch Jesaia, das den Adventsgedanken wiedergibt: «Tauet, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, lasst Gerechtigkeit regnen!» Auch Advent ist ein lateinisches Wort; es heisst übersetzt Ankunft. «Für uns Christen bedeutet die Adventszeit die Zeit der Ankunft von Jesus Christus. Es ist die Zeit der Vorbereitung auf die Menschwerdung Gottes», erklärt Adrian Wicki, Pastoralassistent in Ruswil. Die Lesung an der heutigen ersten Rorate-Feier nimmt darauf Bezug: «Steh auf, werde Licht, denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des Herrn geht strahlend auf über dir», heisst es beim Propheten Jesaia. Bei den Fürbitten singen alle gemeinsam: «Mache dich auf und werde Licht, denn dein Licht kommt.»

Was damit gemeint ist, erzählt Katechetin Silvia Buob kindergerecht in der Geschichte von der alten Stall-Laterne, die der kleine Philipp ergattert und dem Samichlaus schenkt, dem sie fortan auf seinem Weg durch den dunklen Wald leuchtet. Die alte Laterne, beinahe weggeworfen, strahlt. Silvia Buob sagt: «Jeder Mensch hat viele Talente. Es kommt nicht darauf an, auf welches ich setze; wichtig ist, dass ich mich auf den Weg mache.»  Am zweiten und dritten Rorate-Morgen wird sie weiter erzählen, was die alte Stall-Laterne erlebt.

Mut zur Einfachheit haben

Nach der Rorate-Feier treffen sich Erwachsene und Kinder zum Zmorge im Pfarreiheim: Gelegenheit, sich zu treffen und zu stärken vor Arbeit und Schule. Dafür sorgt jeweils der Pfarreiheim-Hauswart zusammen mit Freiwilligen aus verschiedenen Gruppen. An diesem  Morgen sind auch Jugendliche aus dem WARU (Wahlangebote Religionsunterricht Oberstufe) engagiert.

Die Tische sind auch bei diesem zweiten Teil der Feier gut besetzt; die Verantwortlichen freuts. Was dazu beiträgt, gelte für alle Generationen, meinen die Verantwortlichen. «Die Kirche einmal nur von Kerzen erleuchtet zu sehen, das fasziniert aber besonders die Kinder», meint Silvia Buob. Hinzu komme die musikalische Begleitung, die jede Woche eine andere Gruppe aus der Musikschule besorge. Othmar Odermatt spricht vom «Mut zum ganz Einfachen». In Ruswil heisst das: Einfache Bibeltexte, deren «Übersetzung» in eine Geschichte, keine Schriftsprache, sondern Dialekt. Für Silvia Buob selbstverständlich: «Als Erwachsene habe ich ja auch nicht gern schwierige Texte.»

Dominik Thali

Buchtipp: Reinhard Abeln: «Das grosse Kinderbuch zum Kirchenjahr – Heilige, Feste, Brauchtum, Rituale», St.Benno-Verlag Leipzig, ISBN 978-3-7462-4199-9, ca. CHF 12.

Geheimnisvoll: Pastoralassistent Othmar Odermatt begrüsst die Besucherinnen und Besucher der Roraate-Feier. | © 2018 Dominik Thali

Bezaubernd: Die Geschwister Fuchs mit Unterstützung von Mutter Beatrice Fuchs bereichern die Rorate-Feier. | © 2018 Dominik Thali

 

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